Freiburgs Wohnraumpolitik im Wandel

Wege aus der Krise der Stadtentwicklung und Wohnraumnot

Foto: Adobe Stock, megann

Freiburg im Breisgau gehört zu den attraktivsten Städten Deutschlands – und steht gleichzeitig vor enormen Herausforderungen in der Wohnraumpolitik. Die Kombination aus wachsender Einwohnerzahl, steigenden Mieten und begrenztem Wohnraum stellt die Stadt vor komplexe Aufgaben. Wie kann Freiburg bezahlbares Wohnen sichern und zugleich nachhaltig wachsen? Ein Blick auf die zentralen Handlungsfelder.

Wachsende Nachfrage und steigende Mieten

Die Beliebtheit Freiburgs führt zu einem anhaltenden Bevölkerungszuwachs – Studierende, Familien und Berufstätige zieht es gleichermaßen in die Stadt. Der Wohnungsmarkt reagiert darauf mit Engpässen und stark steigenden Mieten, insbesondere in zentralen Lagen wie der Innenstadt oder dem Stadtteil Wiehre. Die Folge: Immer mehr Menschen finden nur schwer bezahlbaren Wohnraum. Die Stadt steht unter Druck, die Versorgungslage zu verbessern, ohne die soziale Balance zu verlieren.

Sozialer Wohnungsbau als Schlüsselfaktor

Um dieser Entwicklung zu begegnen, ist der Ausbau des geförderten Wohnungsbaus unerlässlich. Freiburg muss Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen in sozialverträgliche Wohnprojekte attraktiver machen. Förderprogramme, Erbpachtmodelle oder Zuschüsse könnten private wie öffentliche Bauträger motivieren, langfristig mietpreisgebundenen Wohnraum zu schaffen und zu erhalten.

Verdichtung mit Augenmaß

Eine nachhaltige Lösung liegt auch in der intelligenten Nutzung bestehender Flächen. Die Stadt prüft zunehmend Möglichkeiten zur Nachverdichtung: Brachflächen, aufgegebene Gewerbeareale oder leerstehende Gebäude bieten Potenzial für neue Wohnprojekte. Dabei muss allerdings eine Balance zwischen Nachverdichtung, Lebensqualität und Umweltaspekten gewahrt bleiben – Grünflächen und Freiräume dürfen nicht verdrängt werden.

Mitgestaltung durch die Bürgerschaft

Zukunftsfähige Wohnraumpolitik gelingt nur mit einer breiten gesellschaftlichen Beteiligung. Bürgerinnen und Bürger sollen nicht nur informiert, sondern aktiv in Planungsprozesse eingebunden werden. Partizipative Verfahren – von Stadtteilforen bis zu digitalen Beteiligungsplattformen – stärken die Akzeptanz neuer Projekte und fördern kreative Lösungsansätze.

Neue Wohnformen denken

Neben klassischen Mietwohnungen rücken alternative Konzepte stärker in den Fokus. Wohnprojekte in Gemeinschaft, genossenschaftliche Modelle oder generationenübergreifendes Wohnen bieten soziale wie ökonomische Vorteile. Freiburg könnte gezielt solche Ideen unterstützen – etwa durch gezielte Grundstücksvergabe oder planerische Sonderflächen für innovative Ansätze.

Infrastruktur als Wohnstandortfaktor

Bezahlbares Wohnen ist eng verknüpft mit funktionierender Infrastruktur. Neue Wohnquartiere müssen gut angebunden und versorgt sein – insbesondere durch den öffentlichen Nahverkehr, Radwege, Bildungseinrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten. Nur so lassen sich neue Siedlungsflächen sinnvoll erschließen und soziale wie ökologische Nachhaltigkeit gewährleisten.

Ein Balanceakt mit Zukunft

Die Freiburger Wohnraumpolitik steht vor einem Balanceakt: Sie muss kurzfristig bezahlbaren Wohnraum schaffen und gleichzeitig langfristig tragfähige Strukturen sichern. Dabei geht es um mehr als Bauzahlen – es geht um sozialen Zusammenhalt, ökologische Verantwortung und die Lebensqualität kommender Generationen. Lösungen liegen nicht nur in neuen Baugebieten, sondern auch in der klugen Nutzung vorhandener Potenziale – gemeinsam mit der Stadtgesellschaft.

Herausforderungen bei der Finanzierung

Ein zentrales Hemmnis beim Bau neuer Wohnungen ist die Finanzierung. Sowohl private als auch kommunale Bauträger sehen sich mit gestiegenen Baukosten, hohen Zinsen und unsicheren Förderbedingungen konfrontiert. Die Folge: Geplante Projekte verzögern sich oder werden ganz aufgegeben. Damit Freiburg den Wohnraumbedarf langfristig decken kann, sind stabile finanzielle Rahmenbedingungen notwendig – etwa durch klare Förderprogramme des Landes und des Bundes oder eine bessere finanzielle Ausstattung kommunaler Wohnbaugesellschaften.

Klima- und Umweltschutz im Wohnbau

Freiburg verfolgt ambitionierte Klimaziele – auch im Bauwesen. Doch die Verbindung von Klimaschutz und Wohnraumschaffung ist herausfordernd. Energetische Standards, nachhaltige Baustoffe und Flächensparsamkeit erhöhen die Komplexität neuer Projekte. Damit bezahlbares und ökologisches Wohnen kein Widerspruch ist, braucht es klare Leitlinien, technologische Innovationen und gezielte Förderung von nachhaltigem Bauen – etwa durch Pilotprojekte oder Forschungskooperationen.

Regionale Zusammenarbeit stärken

Die Wohnraumpolitik endet nicht an den Stadtgrenzen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden ist entscheidend, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Die Region Freiburg kann durch abgestimmte Flächenentwicklungen, gemeinsame Infrastrukturprojekte und überregionale Verkehrsplanung dazu beitragen, den Druck auf die Stadt zu mildern – und gleichzeitig die Lebensqualität im gesamten Breisgau zu sichern.

Wohnraum für alle Generationen sichern

Ein zukunftsfähiger Wohnungsmarkt muss den Bedürfnissen aller Altersgruppen gerecht werden – von jungen Singles über Familien bis hin zu Seniorinnen und Senioren. Besonders im Fokus steht der demografische Wandel: Der Bedarf an barrierefreiem, altersgerechtem Wohnraum nimmt stetig zu. Gleichzeitig wünschen sich viele ältere Menschen alternative Wohnformen, die Gemeinschaft und Selbstständigkeit verbinden. Freiburg sollte diese Entwicklungen aktiv aufgreifen – etwa durch gezielte Förderungen für Umbauten, generationenübergreifende Wohnprojekte oder den Ausbau quartiersnaher Versorgungsangebote. So entsteht eine soziale Wohnraumstrategie, die langfristig trägt. ak